Allgemein,  Grafik

Das Problem mit dem Urheberrecht

Weil ich gerade eine aufgeregte Diskussion in einer Facebook-Gruppe mitverfolge bietet sich das „leidige“ Thema Urheberrecht für meinen heutigen Post geradezu an.

Die konkrete rechtliche Seite für Grafiker und Designer rund ums Urheberrecht könnt ihr bei Tips & Tricks nachlesen (bisschen runterscrollen!)

Was aber war die Diskussion? Es ging darum, dass eine Designerin immer wieder mal im Netz nach Plagiaten ihrer Werke sucht und leider oft genug fündig wird. Dieses Mal hat sie einen US-Fotografen erwischt, der einfach eines ihrer Logos, die sie bei einer Stock-Datenbank verkauft, für sich vereinnahmt hat und auf ihr Anschreiben auch noch sehr heftig und patzig reagiert hat. Dabei ist sogar noch das Wasserzeichen am Logo… Da fehlen einem die Worte! Noch dazu wo man davon ausgehen könnte, dass gerade er als Profi (?)-Fotograf genau über Urheberrechte Bescheid weiss. Und sie ist nicht die Einzige. In der Gruppe gibt es so einige, die ihre Designs auf diversen Seiten wiedergefunden haben. Der (wahrscheinlich ) bekannteste Fall ist eine gewisse Modekette,  die von einer „kleinen“ Illustratorin einfach die Illu genommen und für ihre Mode verwendet hat. Was man da rechtlich dagegen machen kann? Bei so grossen Firmen gar nichts. Besser gesagt: man kann schon nur wird einem jeder vernünftige Anwalt davon abraten. Traurig, aber wahr!

Falls ihr jedoch kleine Unternehmer wie dem Fotografen oder auch Einzelpersonen erwischt, dass sie einfach euer Design geklaut haben, könnt ihr durchaus Schritte unternehmen. Zuerst mal höflich anschreiben und den Sachverhalt darlegen und auch gleich eine Vergütung anbieten. Werden die derart Erwischten ausfallend und wütend – einfach Nerven bewahren, sachlich bleiben und den Anwalt in den Raum stellen. Meist wirkt das, zumindest mal soweit, dass euer geklautes Design vom Netz genommen wird. Und einige zahlen dann auch brav. Ihr könnt auch die diversen Social Media-Kanäle anschreiben und bitten, dass die betreffenden Bilder gelöscht werden da sie gegen das Urheberrecht verstossen. Meist geschieht sowas recht rasch.

Das wirft mal prinzipiell die Frage auf: was bitte darf ich dann eigentlich noch aus dem Web verwenden?

Drehen wir es um: was darf ich sicher nicht verwenden:

  • Alle Bilder, wo man ein Wasserzeichen erkennt.

Ein Wasserzeichen ist aus gutem Grund auf einem Bild – es ist wie eine Signatur des Urhebers und kennzeichnet, dass dieses Bild / Design / Logo /… geschützt ist. Und es auch bleiben sollte. Ja es gibt Photoshop und ja, bei manchen Bildern kann man gut retouchieren. Das macht die ganze Sache aber noch lange nicht legal! Ich kenne einige Freelancer-Plattformen, wo genau sowas gesucht wird, also Photoshop-Profis, die Watermarks wegretouchieren. Macht das ja nicht! Ihr haftet dann nämlich genauso wie der Auftraggeber – wenn nicht sogar mehr!

  • Bilder aus der Google-Bildersuche

Es könnte so einfach sein: Gewünschtes Bild wie z.B „Tannenbaum“ in Google eingeben und dann einfach das schönste Bild runterziehen. Ist es aber nicht. Diese Bilder haben oft kein Wasserzeichen, aber das heisst noch lange nicht, dass man sie einfach verwenden kann. Das versuche ich auch immer wieder Kunden klar zu machen, dass das trotzdem ein Verstoß gegen das Urheberrecht ist. Hat sich leider noch immer nicht überall herumgesprochen. Was ihr aber machen könnt: bei der Google-Bildersuche kann man dann auf „Suchoptionen“ klicken und dann auf „Nutzungsrechte“ und auf „Zur Wiederverwendung gekennzeichnet“ klicken. Dann kommen natürlich wesentlich weniger Bilder, aber die könnt ihr dann eigentlich mit ruhigem Gewissen verwenden. Checkt trotzdem schnell die Quelle und versichert euch, dass es wirklich frei ist.

  • Die nächstbeste Schrift der diversen „Free-Fonts“-Seiten

Leider nein. Heisst zwar Free Fonts ist aber nicht wirklich free. Ihr müsst immer genau schauen, was dann wirklich alles bei der Schrift dabeisteht.

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Wenn FREE dabeisteht ist die Schrift für alle eure Projekte verwendbar. Steht aber FREE FOR PERSONAL USE könnt ihr damit nur die Geburtstagskarte für die Tante gestalten.  Klickt einfach mal drauf, dann seht ihr meist das:

Urheberrecht_Schrift

Also bitte wirklich nur für die Geburtstagskarte verwenden! Und nicht vom Namen der diversen Websites blenden lassen! Noch ein Profi-Tipp am Rande: die wirklich freien Schriften sind meist nicht grundlos gratis. Wenn man sie sich genauer anschaut sind sie oft fehlerhaft oder schlecht gemacht.  Hier eine dieser Schriften: Da muss man eine Menge nachbearbeiten – oder man nimmts einfach als Vorlage und macht die Buchstaben gleich selbst.

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  • einen Text, der mir gut gefällt

auch keine wirklich gute Idee! Texte sind genauso wie Bilder und Designs urheberrechtlich geschützt. Ich meine jetzt wirklich Texte, keine „Alltagsphrasen“ oder die „Daily Quotes“ die man überall lesen kann. Wenn ihr einen Text findet, der euch gefällt oder den ihr gerne bloggen, verwenden, zitieren,.. wollt dann bitte schreibt den Schreiber einfach an. Die meisten sagen da sicher nicht nein, ganz im Gegenteil. Wenn sie was verlangen ist das dann aber eure Entscheidung ob das korrekt ist /es wert ist oder nicht. Im Zweifelsfall dann eben sein lassen und gut ists. Wenn ihr den Text verwenden dürft einigt euch vorher darüber ob die Quelle genannt werden soll oder nicht. Ist es ein alter Text, zb aus einer Geschichte oder ein Gedicht dann müsst ihr checken, wie alt das ist. Prinzipiell gilt: 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers ist ein Werk frei. Trotzdem: immer die Quellenangabe dazuschreiben!  Gilt übrigens auch für Musik!

 

Wenn ihr das alles beachtet kann nichts mehr schiefgehen! Im Zweifelsfall einfach recherchieren, die Urheber anschreiben. Das dauert ein paar Minuten und ihr seid auf der sicheren Seite! Und wenn ihr ein Logo braucht dann bitte jemanden kontaktieren, der das macht und nicht einfach wo eines runterziehen 😉

Das gilt natürlich alles für Projekte, die ihr öffentlich präsentiert bzw verkauft (ich denke da an Etsy, DaWanda, etc). Alles was ihr ausschliesslich für den persönlichen Gebrauch macht wie die schon zitierte Karte für die Erbtante ist davon ausgenommen. Aber bitte dann nicht voll Stolz die Karte auf  Facebook posten (“ Die Tante hat sich soooo gefreut!!“ ) sonst ist es wieder da: das Problem mit dem Urheberrecht!

Bedenkt auch immer eins: hinter jedem Bild, Text, Logo, Design steckt wer so wie ihr, der (viel) Zeit in das Werk investiert hat. Es ist ja nicht nur mit dem Designen allein getan, es gehört ja auch das passende Equipment dazu und das ist teuer. Egal ob Profi-Kamera oder PC/Mac, Grafikprogramme,  Gebühren, Material (Papier, Farben, etc), das alles kostet ne Menge. Es ist daher nicht nur eine Frage des Respekts, dass man sich nicht einfach im www bedient.

Na dann: Frohes Schaffen! 🙂

Nützliche Links:

TinEye (dort könnt ihr eure Bilder hochladen und schauen, wo sie im Netz zu finden sind)

1001 Free Fonts ( bitte genau schauen, welche Schriften wirklich frei sind!)

Pixabay (hier gibt es Bilder zur freien Verwendung. Bei jedem Bild steht genau dabei, wie weit sie frei sind – ähnlich der Schriften!)

 

 

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