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Die 10 häufigsten Fehler in der Mikrotypografie

Trotz der Vielfalt an Textverarbeitungsprogrammen, die teilweise wirklich viel können (ausser selbst schreiben), findet man vor allem im Internet haufenweise Texte mit typografischen Fehlern. Um diese zu vermeiden muss man jetzt kein Typograf sein sondern sich nur ein paar Basics merken.

Mikrotypografie bezeichnet alles, was mit Satzzeichen, Auszeichnungen, Strichen, Satzbau und Satzbild zu tun hat. Also die kleinen Feinheiten 🙂

  1. Die Anführungszeichen

Der wohl häufigste Fehler, der gemacht wird, sind die berühmten Anführungszeichen. Sie werden einfach mit der „-Taste gesetzt und gut. Leider nicht.

Die Anführungszeichen zählen zu den Interpunktionszeichen, im Volksmund auch „Gänsefüsschen“ genannt. Sie dienen der optischen Auszeichnung von direkter Rede, Zitaten, Hervorhebung von Wortteilen, Worten oder Sätzen. Sie stehen davor und danach; das eröffnende Anführungszeichen wird „Anführung“ genannt, das schliessende Anführungszeichen „Abführung“.

Die Anführungszeichen stammen aus der Antiqua der Spätrenaissance und entwickelten sich aus den Kolumnenkommentaren. Ursprünglich wurden in lateinischen und griechischen Texten Passagen in anderen Sprachen damit gekennzeichnet.

Die korrekten Anführungszeichen:

  • Deutsch:

sie werden unten und oben gesetzt ( mit 99 beginnen, mit 66 enden) und sind auf der Mac-Tastatur unter Alt+Shift+W ( für Anführung) bzw Alt+2 aufrufbar.

„Anführungszeichen“

Die deutschen Guillemets kann man ebenso verwenden. Sie werden mitte/mitte, Spitze nach innen, zwischen x-Linie und Grundlinie ohne Leerzeichen gesetzt                                                    Gesetzt werden sie mit Alt+Shift+Q bzw Alt+Q

»Anführungszeichen«
  • Schweiz:

hier werden die Guillemets verwendet. Sie werden mitte/mitte, Spitze nach aussen, zwischen x-Linie und Grundlinie ohne Leerzeichen gesetzt.

«Anführungszeichen»
  • Frankreich:

auch hier werden die Guillemets (Guillemets Française) verwendet. Sie werden mitte/mitte, Spitze nach aussen, zwischen x-Linie und Grundlinie mit Leerzeichen (bzw einem 1/4 Geviert) gesetzt.

« Anführungszeichen »
  • Amerika, England (angloamerikanischer Raum)

hier werden die deutschen Anführungszeichen gesetzt nur beide oben (mit 66 beginnen, mit 99 enden): oben/oben, zwischen k-Linie und x-Linie, optisch ausgerichtet an der H-Linie.

“Anführungszeichen”

2. Divis statt Gedankenstrich

Meist bedient man sich bei Strichen aller Art im Text einfach der -Taste. So einfach ist es aber nicht. Man muss hier unterscheiden, welche Art von Strich man setzt und wie er typografisch korrekt dargestellt wird.

Es gibt grundsätzlich vier verschiedene Strichverindungen:

  • Minuszeichen
  • Divis
  • längerer Gedankenstrich
  • langer Geviertstrich

Welchen setzt man aber wo?

Bei einem Kopplungsstrich und zum Abteilen eines Wortes wird ein normales Divis ohne Leerzeichen verwendet (ist die Standard-Taste)

ge-teilt

Bei einem Ergänzungsstrich nimmt man den Divis und ein Leerzeichen

ge- und verteilt

Der Gedankenstrich wird mit Alt+- richtig gesetzt, davor und danach kommt ein Leerzeichen.

gut – aber besser

Achtung: bei Datum- oder Uhrzeitangaben wird kein Divis, sondern ein Gedankenstrich ohne Leerzeichen verwendet!

16:00–17:00

Bei Geldbeträgen wird der lange Geviertstrich verwendet. Wird über Alt+Shift+- aufgerufen.

€ 10.—

3. Apostroph

Die falschen Apostrophe sind eigentlich auf Platz zwei, weil sie fast so oft vorkommen wie die falschen Anführungszeichen. Der typografisch korrekte Apostroph wird auch als Hochkomma bezeichnet, zählt zu den Ellipsenzeichen  und ist bei den Glyphen unter Unicode 2019 zu finden. Ein Apostroph ist ein Auslassungszeichen, er wird verwendet, wenn man ein oder mehrere Buchstaben auslässt oder einen Genitiv (bei Eigennamen die auf s, ss, ß,tz,z oder x enden) bildet. Er wird nicht automatisch bei Genitiv verwendet! Richtig gesetzt wird er mit Alt+Shift+#

Mach’s gut! 

’rübergehen

M’gladbach

4. Falsche Kapitälchen

Kapitälchen zählen wie die Kursive zu den leisen Auszeichnungsschriftschnitten, da sie zwar auszeichnen aber in einer sich ins Schriftbild harmonisch einfügenden Weise. Bitte zur Auszeichnung nie einfach Grossbuchstaben (Versalien) verwenden! Man schreibt damit unangenehm laut und zerstört das Schriftbild! Wenn man Kapitälchen verwendet soll man darauf achten, dass man auch die echten Kapitälchen verwendet: die sind ein eigener, vom Schriftsetzer gesetzter Schriftschnitt und inzwischen für viele gängige Schriften verfügbar. Es reicht nicht, einfach das Wort in Grossbuchstaben zu schreiben und dann einfach die Schriftgrösse zu verkleinern.

Bei den Kapitälchen reichen die „Minuskeln“ von der Grundlinie zur x-Linie und die „Majuskeln“bis zur H-Linie (Dreiliniensystem). Sie entwickelten sich aus der Karolingischen Minuskel (9.Jh.) wo durchwegs in Majuskeln geschrieben wurde, die Anfangs-Majuskeln jedoch größer geschrieben wurden (ähnlich einer Initiale). Die Typografie hat diese Art zu schreiben übernommen und im 16.Jh. wurden dann auch zu den einzelnen Antiqua-Schriften eigene Kapitälchen-Schnitte geschnitten. Es gibt sie jeweils für Antiqua (Serif) und Grotesk (Sans Serif).

5. Keine Mediävalziffern verwendet

Der Begriff Mediävalziffern ist ein typografischer Ausdruck für alle arabischen Ziffern mit variierenden Ober- und Unterlängen im Vierliniensystem. Sie werden auch als Minuskelziffern, Gemeine Ziffern, Charakterziffern oder Nautische Ziffern bezeichnet. Bis Ende des Bleisatzes wurde noch unterschieden zwischen Mediävalziffern und Französischen Ziffern (waren vom Bild her gleich, also mit Ober- und Unterlängen). Die Mediävalziffern waren die Ziffern aus Renaissance-Antiquas und Vorklassizistischen Antiquas, und die Französischen Ziffern waren die der klassizistischen Antiquas. Bis zur Mitte des 19.Jh verstand man unter „mediäval“ Schriften gotischen Ursprungs, also die gebrochenen Schriften und im Laufe des Jahrhunderts entwickelte man dann aus diesen Mediävalziffern die heute gebräuchlichen Majuskelziffern im Zweiliniensystem. Heute sind diese Normalziffern alle gleich groß und gleich breit und sind daher für typografische Ansprüche nicht geeignet da sie (so wie Wörter in Großbuchstaben) das Schriftbild zerstören und unharmonisch machen. Daher sollten im Fliesstext ausschliesslich Mediävalziffern im jeweiligen Schriftschnitt verwendet werden. Die Normalziffern eignen sich hingegen bestens für Tabellen oder wenn Ziffern akkurat untereinander stehen sollen.

6.falsche Kursive verwendet

genauso wie bei den Kapitälchen soll man ausschliesslich echte Kursiv-Schriftschnitte verwenden und nicht einfach nur die Schrift schräg stellen. Die Kursive zählt zu den leisen Auszeichnungsschriftschnitten, es ist ein typografischer Terminus für nach rechts geneigte Schriften. Sie werden auch als Italic, Italique oder Cursiva bezeichnet. In der Frührenaissance wurde diese Schriftvariante erstmals von Aldus Manutius geschnitten. Kursiven werden immer extra gestaltet um eben perfekt zu dem Hauptschriftschnitt zu passen. Wenn man einfach nur die Schrift schräg stellt, verzerrt man die Schrift, die notwenige typografische Ästhetik leidet darunter sowie auch die Lesbarkeit.

7. Scharfes S

Was man immer wieder sieht: bei Versalien und Kapitälchen wird ein ß hineingesetzt – ein absolutes No-Go! Immer nur Doppel-S verwenden!

8. Schusterjungen und Hurenkinder 

Schusterjunge: darunter versteht man einen einzelnen Satz, der am Seitenende steht, z.b. wenn man mit einem neuen Absatz beginnt. Dieser Begriff stammt aus dem Druckergewerbe, als noch der Bleisatz verwendet wurde und bezeichnet den falschen Umbruch am Ende einer Kolumne oder einer Satzspalte. Heute wird diese einzelne Zeile am Ende der Seite zunehmend als Waisen- oder Findelkind bezeichnet.

Hurenkind: darunter versteht man prinzipiell das Selbe, nur eben am Anfang einer Seite. Auch dieser wenig schmeichelhafte Ausdruck stammt aus dem Druckergewerbe und bezeichnet die letze Zeile eines Absatzes oder einer Kolumne oder einer Satzspalte, die am Anfang einer neuen Seite steht. Heute setzt sich mehr und mehr die Bezeichnung „Witwe“ durch.

9. keine Ligaturen

Ligaturen integrieren sich unauffällig in das Schriftbild und machen es harmonischer, es wirkt nicht mehr holprig. Unter Ligatur versteht man eine Verbindung zwischen zwei Buchstaben, z.B. fi. Es gibt verschiedene Ligaturen: Minuskelligatur, Tonligatur, Wortligatur und Kaufmannsligatur. Heute ist das nicht mehr so wesentlich wie zu Zeiten des Bleisatzes, auch die Anzahl der gebräuchlichen Ligaturen ist wesentlich reduzierter. Die häufigsten heute vwerwendeten Ligaturen sind Minuskelligaturen (fi, ff,…) Tonligaturen (ß), Wortligaturen (&) und Kaufmannsligaturen (%, @). Man findet Ligaturen in den Glyphen einer Schrift.

Paleografisch gesehen sind die Ligaturen schon sehr alt, sie lassen sich bis ins 1.Jh. zurück nachweisen – damals wurde z.B. schon das & verwendet (Et-Zeichen).

10. Doppelte Leerzeichen

fallen eigentlich unter die Rubrik „schlampiges Schreiben“ und kommen daher immer wieder mal vor. Eigentlich sollte man meinen, dass Textverarbeitungsprogramme doppelte Leerzeichen automatisch ausgleichen, dem ist aber nicht immer so. Am Besten ist es, wenn man mit dem Textsatz fertig ist, einen Suchen- und Ersetzen-Durchgang zu starten.

 

 

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